Heiliges Land - für Teilnehmer mit eingeschränkter Mobilität

Meine Reise nach Jerusalem

Jerusalem - wie verheißungsvoll dieser Name, diese Stadt, dieses Schatzkästlein der Geschichte, Menschheit, Religionen und Kulturen in meinen Ohren klingt. Weit entfernt und doch irgendwie vertraut.
Schon oft habe ich eine Reise nach Jerusalem unternommen. Unzählige Male schon. Manchmal bin ich angekommen, manchmal schon in der ersten oder kurz vor der letzten Runde ausgeschieden. Was soll jetzt das bedeuten, werden Sie sich fragen? Ganz einfach, dies geschah alles beim allseits beliebten Kinder- und Jugendspiel „Die Reise nach Jerusalem“, in dem es um das Ergattern von Stühlen ging. Wer keinen mehr bekommt - fliegt raus.

Im November 2013 habe ich jedoch tatsächlich zwei Stühle ergattert, bin geflogen und habe „Meine Reise nach Jerusalem“ wirklich angetreten. Mit meiner 77jährigen Mutter habe ich kurzfristig nach dem Motto „Wenn nicht jetzt, wann dann“ beim Bayerischen Pilgerbüro eine Pilgerreise „Auf den Spuren Jesus“ für Personen mit eingeschränkter Mobilität gebucht. Dass diese Reise etwas ganz Besonderes für uns werden würde, konnten wir damals noch nicht ahnen.

Auf was habe ich mich da wohl eingelassen - ging es mir kurz vor Reisebeginn durch den Kopf. Hoffentlich wird diese Fahrt nicht zu „heilig“ oder etwa langweilig, denn ich „opfere“ dafür schließlich wertvolle Urlaubstage. Doch ich wurde eines besseren belehrt. Ein kleines, aber feines Grüppchen von 21 Personen (Pfarrer, Diakon, Arzt, Gehbehinderte, Rollstuhlfahrer und deren Begleitpersonen) erlebten eine wunderschöne, unvergessliche und bewegende Reise - so der einheitliche Tenor aller am Ende unserer Reise.

Wir hatten in Israel für diese Fahrt, einen speziellen Bus, der zum Ein- und Ausstieg absenkbar war und für unsere Rollstuhlfahrer eine extra Hebevorrichtung sowie Verankerungsmöglichkeiten im Bus hatte. So sind wir zu allen Sehenswürdigkeiten und Heiligen Stätten fast immer direkt vor der Tür abgesetzt worden.

Unsere Reiseroute in Kurzform:
2. Tag:
See Genezareth - Kafarnaum, die Stadt in der der Jesu wohnte - Tabgha, dem Ort der wunderbaren Brotvermehrung - der Berg der Seligpreisungen, wo Jesu die Bergpredigt hielt und Nazareth mit der Verkündigungsbasilika.

3. Tag:
Küstenstadt Haifa - Berg Karmel mit der Kirche Stella Maris und dem herrlichen Panoramablick - Muchraka, wo der Streit zwischen Elias und den Baalpriestern stattfand - Ruinen der Stadt Caesarea am Mittelmeer.

4. Tag:
Durch das Jordantal nach Betanien zur Taufstelle Jesu - Entlang des Todes Meeres - zum Felsen von Massada, Auffahrt mit der Seilbahn und Besichtigung - Fahrt nach Bethlehem in unser Hotel.

5. Tag:
Heilige Stätten in Jerusalem - Grabeskirche - Via Dolorosa - Garten Getsemani mit der Kirche der Nationen.

6. Tag:
Jerusalem und seine Altstadt - Klagemauer - Tempelplatz mit der Al-Aqsa-Moschee und dem Felsendom - Berg Zion, mit der Abteikirche Dormitio, Israel Museum mit dem Modell des alten Jerusalems sowie den Schriftrollen im Schrein des Buches.

7. Tag:
Bethlehem, Geburtsbasilika - Hirtenfelder und Nachtfahrt durch Jerusalem.

8. Tag:
Abu Gosh, einer der Emmaus-Orte, Tel Aviv und Abflug.

An manchen Stellen flossen Tränen der Freude, Ergriffen- bzw. Bewegtheit. So während einiger Gottesdienste, die unsere kleine Gruppe mit unserem Pilger-Pfarrer Walter Seidens zusammen feierte wie z.B. in der Grabeskirche oder den Hirtenfeldern in Bethlehem oder die Krankensalbung in Abu Gosh.
Trotz Gehbehinderungen haben wir „ALLES“ gesehen und besichtigt. Wir haben die Rollstühle (samt darin sitzender Personen) Treppen rauf- und runtergetragen - über unzählige Schwellen, Stufen, Kopfsteinpflaster, unebenen Wegen, engen Gassen, schmalen Türeingängen, auf Steigungen sowie auf abschüssigen Wegen uns bewegt. Wir ALLE haben das heilige Grab berührt, den Salbungsstein und die Treppen auf den Golgatha Felsen bewältigt. Auch haben wir in Bethlehem die Gehbehinderten sowie Rollstuhlfahrer in die Geburtsgrotte, die steilen Treppen hinauf- und hinuntergetragen bzw. begleitet und und und. An vielen Orten wurden wir bevorzugt und mussten uns nicht so lange anstellen, was uns wirklich vieles erleichtert hat - herzlichen Dank an diese verständnisvollen Menschen.

Es gäbe von dieser Reise noch so vieles zu berichten, doch leider ist der Platz für diesen Schreibwettbewerb schon fast zu Ende, so dass ich nur kurz folgendes von unserer Israel-Reise berichten möchte:
Im Garten Getsemani habe ich, dank des Gehstockes meiner Mutter, zwei heruntergefallene Oliven durch das Gitter welches die Olivenbäume umringt, mühevoll ergattert. Eine Olive steht nun in der Glasvitrine meiner Mutter und die andere Olive liegt in einer goldenen Schachtel in meinem Wohnzimmerschrank.
Auch werde ich an das verschwundene Jordanwasser, welches wir in Betanien - an der Taufstelle Jesu mitgenommen haben, noch lange schmunzelnd denken. Meine Mutter und ich hatten jeweils in einer ausrangierten Wasserflasche (trübes) Wasser von der Taufstelle mitgenommen. Meine Flasche habe ich nach Deutschland mitgenommen. Die meiner Mutter war jedoch auf mysteriöse Weise verschwunden. Unerklärlich war für sie übrigens auch, warum genau am Tag der verschwundenen Jordanwasserflasche bei ihr Magen- und Darmprobleme einsetzten. Sie schwört übrigens heute noch, dass sie immer nur aus korrekten Wasserflaschen getrunken habe - wer es glaubt wird selig.

So, was soll jetzt das Besondere an dieser Reise gewesen sein, werden Sie sich jetzt sicherlich fragen. Diese Stätten werden doch bei jeder Pilgerreise durch das Heilige Land angefahren. Stimmt! Und doch war diese Reise etwas ganz Besonderes.
Auch wir sind an den Stellen wo Jesus war gewesen!
Unser Blick und Verständnis anderen gegenüber hat sich verändert und wurde geschärft - auf Menschen unterschiedlicher Nationalität, auf Gläubige, auf Pilger, auf Behinderte, auf deren Begleitpersonen und deren Probleme im Alltag. Auf Menschen, die spontan zupacken und hilfsbereit sind. Auf Menschen, die egoistisch und ignorant sind und nur sich selbst und die eigenen Vorteile kennen. Auf Menschen, die ihr Leben meistern, dankbar sind, nicht verzweifeln und Mut haben. Mut solch eine Reise zu unternehmen um die Heiligen Stätten alle wirklich mal zu sehen - zu spüren und zu erleben von denen in der Bibel zu lesen ist. Wenn jetzt diese Orte bzw. Stätten genannt werden, werden wir unsere Erlebnisse damit verknüpfen und immer daran denken, dass auch wir einmal dort waren.

Statt immer nur vom „Heiligen Land“ zu lesen, ergreifen sie die Initiative und fahren doch selbst mal nach Israel, um dieses Land live zu erleben. Atmen sie dort die Luft ein, fühlen die Sonne, den Wind, genießen die Landschaft und Natur. Erleben das salzige Wasser sowie die bizarre Landschaft des Toten Meeres, die Sand-, Stein- und Geröllwüsten, die saftigen Oasen und grünen Plantagen. Genießen sie die Stille, lauschen sie dem Stimmen-Wirrwarr im Basar, nehmen die Gerüche von Handwerk, Gewürzen, Essen, und Weihrauch wahr. Genießen sie die Köstlichkeiten der arabisch-jüdisch-israelischen Küche. Lassen sie die Augen und sämtliche Sinne schweifen. Tauchen sie in die Geschichte, deren historischen Stätten sowie in die „Heilige“ Stimmung und Atmosphäre ein. Sehen sie aber auch, die gerade in der heutigen Zeit, bedrückenden von Mauern umgebenen Orte. Erleben sie die in diesem Land lebenden Menschen hautnah. Nehmen sie von dort ihre eigenen Eindrücke mit nach Hause.

Bevor Sie allerdings nach Israel reisen, bereiten sie sich geschichtlich gut vor, nicht nur Bibel mäßig. Denn nur so können sie auch das „Heilige Land“ der Gegenwart verstehen und beurteilen.

Ich werde auf jeden Fall nochmal „Die Reise nach Jerusalem“ antreten. Nicht wie die unzähligen Male im anfangs erwähnten Kinderspiel, sondern voller Begeisterung wieder Live - denn es gibt dort noch vieles zu entdecken.

Schalom

Bus - Reise für Teilnehmer mit eingeschränkter Mobilität

 

 

 

 

Kafarnaum - Reise für Teilnehmer mit eingeschränkter Mobilität

Bayerisches Pilgerbüro

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